Entscheidungsreferenz: cc • Nr. 13-25.134 • 2014-12-17 • Entscheidung einsehen →
Stellen Sie sich die Szene vor: ein schönes Gebäude in Collioure, mit Blick aufs Meer. Die Wohnungseigentümer versammeln sich zur Eigentümerversammlung (AG). Ein Projekt wird abgestimmt: Ablehnung eines Arbeitsantrags eines Eigentümers. Dieser, frustriert, glaubt, dass die anderen ihren Stimmenvorteil missbraucht haben. Er ruft das Gericht an. Aber was muss bewiesen werden, um eine solche Entscheidung aufzuheben?
Diese Frage stellen sich jedes Jahr Hunderte von Wohnungseigentümern. Die Antwort gibt der Kassationshof (das höchste französische Gericht) in einem Urteil vom 17. Dezember 2014 (Nr. 13-25.134). Es erinnert an die sehr strengen Voraussetzungen, um einen „Stimmrechtsmissbrauch“ geltend zu machen.
Kurz gesagt: Ein Beschluss der Eigentümerversammlung kann nur dann wegen Stimmrechtsmissbrauchs aufgehoben werden, wenn er dem Gesamtinteresse der Wohnungseigentümer widerspricht oder wenn er ausschließlich dazu diente, die persönlichen Interessen der Mehrheit auf Kosten der Minderheit zu fördern. Erläuterungen.
Der Sachverhalt: eine alltägliche Geschichte
Herr Y, Eigentümer einer Einheit in einer Wohnungseigentümergemeinschaft in Perpignan, möchte Renovierungsarbeiten in seiner Wohnung durchführen. Er beantragt die Zustimmung der Eigentümerversammlung. Im März 2010 lehnt die Versammlung seinen Antrag ab. Herr Y ficht diese Ablehnung vor dem Tribunal de grande instance (TGI) von Perpignan an. Er beruft sich auf „Stimmrechtsmissbrauch“: Seiner Ansicht nach haben die anderen Eigentümer aus persönlichen Gründen ohne triftigen Grund gegen sein Projekt gestimmt.
Das TGI gibt ihm recht: Es hebt den Beschluss Nr. 7 (der die Arbeiten ablehnt) auf und verurteilt die Wohnungseigentümergemeinschaft zur Zahlung von Schadensersatz. Die Gemeinschaft legt jedoch Berufung ein. Das Berufungsgericht (CA) von Montpellier bestätigt das Urteil und stellt fest, dass die Ablehnung missbräuchlich war. Die Gemeinschaft legt daraufhin Kassation ein.
Der Kassationshof hebt das Urteil des Berufungsgerichts auf. Er stellt fest, dass die Tatsachenrichter nicht nachgewiesen haben, inwiefern der Beschluss der Versammlung dem Gesamtinteresse widersprach oder ausschließlich zur Begünstigung der Mehrheit getroffen wurde. Sie haben lediglich ihre eigene Beurteilung an die Stelle der Versammlung gesetzt, was nicht ausreicht. Der Fall wird an ein anderes Berufungsgericht zurückverwiesen.
Die Begründung des Gerichts – aufgeschlüsselt
Der Kassationshof erinnert an den Grundsatz: Ein Beschluss der Eigentümerversammlung kann wegen Stimmrechtsmissbrauchs aufgehoben werden, jedoch unter zwei kumulativen Voraussetzungen. Die erste: Der Beschluss muss den Gesamtinteressen der Wohnungseigentümer (Interesse der Gemeinschaft als Ganzes) zuwiderlaufen. Die zweite: Er muss ausschließlich dazu getroffen worden sein, die persönlichen Interessen der Mehrheitseigentümer auf Kosten der Minderheit zu fördern.
Diese Voraussetzungen ergeben sich aus dem Gesetz vom 10. Juli 1965 über das Wohnungseigentum (Artikel 42, der die Anfechtung eines Beschlusses ermöglicht) und aus Artikel 1240 des Code civil (der den Rechtsmissbrauch sanktioniert). Der Kassationshof stellt klar, dass es nicht ausreicht, dass ein Beschluss ungerecht oder ungeschickt erscheint: Es muss eine Schädigungsabsicht oder eine qualifizierte Ungleichbehandlung nachgewiesen werden.
In diesem Fall hatte das Berufungsgericht lediglich festgestellt, dass die Arbeitsablehnung „missbräuchlich“ sei, ohne zu erläutern, inwiefern sie das Gesamtinteresse verletzte oder persönlichen Interessen diente. Es hat daher das Gesetz verletzt. Vorsicht jedoch: Der Kassationshof sagt nicht, dass die Ablehnung gerechtfertigt war; er sagt, dass die Richter ihre Entscheidung nicht ausreichend begründet haben. Es ist eine Frage des Beweises.
Was nur wenige wissen: Die Beweislast (wer den Missbrauch beweisen muss) liegt bei dem Wohnungseigentümer, der den Beschluss anficht. Er muss durch konkrete Umstände nachweisen, dass die Mehrheit unlauter gehandelt hat. In meiner Praxis bin ich auf Fälle gestoßen, in denen Minderheitseigentümer bloße Meinungsverschiedenheiten mit Missbrauch verwechselten. Die Grenze ist fein.
Was das für Sie konkret ändert
Diese Entscheidung hat je nach Ihrer Situation wichtige praktische Auswirkungen.
Wenn Sie Minderheitseigentümer sind: Sie können einen Beschluss nicht einfach deshalb anfechten, weil er für Sie nachteilig ist. Sie müssen nachweisen, dass er dem Interesse aller Eigentümer schadet (z. B. Ablehnung von energiesparenden Arbeiten, die den Wert des Gebäudes steigern würden) oder dass er nur bestimmte begünstigt (z. B. Genehmigung von Rohbauarbeiten, die nur einer Einheit zugutekommen).
Wenn Sie Mehrheitseigentümer sind: Sie sind vor missbräuchlichen Rechtsmitteln geschützt. Aber Vorsicht: Wenn Sie systematisch gegen Anträge eines Minderheitseigentümers ohne triftigen Grund stimmen, riskieren Sie einen Missbrauch. Beispiel aus Perpignan: Ein Eigentümer beantragt die Installation von Solarpaneelen. Die Versammlung lehnt ab, weil dies „die Fassade verunstaltet“. Wenn die Gemeinschaft keine Regelung hat, die Paneele verbietet, kann diese Ablehnung missbräuchlich sein, wenn sie nicht durch ein Gesamtinteresse gerechtfertigt ist (z. B. Denkmalschutz des Gebäudes).
Wenn Sie Erwerber sind: Prüfen Sie vor dem Kauf die Protokolle der Eigentümerversammlungen der letzten drei Jahre. Wenn ein Eigentümer systematische Ablehnungen erfahren hat, kann dies auf ein konfliktreiches Klima und Prozessrisiken hindeuten.
Kurz gesagt: Diese Entscheidung erinnert daran, dass die Eigentümerversammlung ein weites, aber nicht unbegrenztes Entscheidungsrecht hat. Der Richter kann sich nicht an die Stelle der Versammlung setzen: Er kontrolliert nur qualifizierte Missbräuche.
Vier Tipps zur Vermeidung solcher Streitigkeiten
- Halten Sie die Abstimmungsgründe im Protokoll fest: Lassen Sie in der Versammlung die genauen Gründe für jede angefochtene Entscheidung eintragen. Dies dient im Falle eines Rechtsmittels als Beweis. Beispiel: „Abgelehnt, weil die Arbeiten die

