Décision de référence : cc • N° 87-12.178 • 1988-06-08 • Consulter la décision →
Stellen Sie sich vor, Sie sind in Brignoles, in einem typischen Dorfhaus. Ihr Nachbar über Ihnen beschließt, seine Decke zu erneuern, die auch Ihr Boden ist. Bei Ihnen treten Risse auf. Sie denken, dass diese Wand (oder vielmehr dieser Boden) gemeinschaftlich ist und die Kosten geteilt werden müssen. Das ist logisch, oder? Nicht so schnell.
Diese Entscheidung des Kassationsgerichtshofs von 1988 präzisiert eine grundlegende Regel: Die in Artikel 653 des Code civil vorgesehene Vermutung der Mitoyenneté betrifft nur Trennwände, nicht Böden oder Decken. Wenn Ihr Streit also ein horizontales Element (Decke, Dach, Terrasse) betrifft, können Sie sich nicht auf die Mitoyenneté berufen, um Ihren Nachbarn zur Kostenteilung zu zwingen. Aber wie dann vorgehen?
Diese Entscheidung, obwohl vor mehreren Jahrzehnten ergangen, bleibt eine unverzichtbare Referenz für alle Eigentümer und Wohnungseigentümer. Sie setzt eine klare Grenze für ein rechtliches Regime, das oft missverstanden wird. Und für die Bewohner des Bezirks Toulon, von Bandol bis Brignoles, hat sie konkrete Auswirkungen, die wir analysieren werden.
Die Fakten: eine alltägliche Geschichte
Der Fall beginnt in Chambéry, hätte aber genauso gut in Bandol oder Brignoles stattfinden können. Herr X ist Eigentümer einer Wohnung in einer Wohnungseigentümergemeinschaft. Sein Nachbar über ihm, Herr Y, führt Arbeiten zur Erneuerung der Decke seiner Wohnung durch. Diese Decke ist jedoch auch der Boden der Wohnung von Herrn X. Es treten Schäden auf: Risse, Feuchtigkeitseintritte. Herr X ist der Ansicht, dass diese Decke ein gemeinschaftliches Element ist und die Reparaturkosten gemäß den Regeln der Mitoyenneté (Artikel 653 des Code civil) geteilt werden müssen.
Das Tribunal de grande instance gibt Herrn X recht: Es ordnet an, dass Herr Y sich an den Kosten der Deckenrenovierung beteiligt, mit der Begründung, dass die Vermutung der Mitoyenneté anwendbar sei. Aber Herr Y legt Berufung ein. Das Berufungsgericht von Chambéry hebt das Urteil mit Entscheidung vom 30. Dezember 1986 auf: Es ist der Ansicht, dass die Vermutung der Mitoyenneté nicht auf eine Decke anwendbar ist, da diese keine Trennwand im Sinne von Artikel 653 des Code civil ist. Herr X legt Kassation ein.
Der Kassationsgerichtshof weist die Kassation mit seiner Entscheidung vom 8. Juni 1988 zurück. Er bestätigt, dass die Vermutung der Mitoyenneté nur Trennwände betrifft, d.h. vertikale Trennwände, die zwei Grundstücke trennen. Eine Decke, selbst wenn sie als Boden für den Nachbarn darüber dient, fällt nicht in diese Kategorie. Da der Streit die Erneuerung einer Decke betrifft, kann er nicht nach den Regeln der Mitoyenneté geregelt werden.
Die Argumentation des Gerichts – aufgeschlüsselt
Um diese Entscheidung zu verstehen, muss man zu Artikel 653 des Code civil zurückkehren. Dieser Text bestimmt: „In Städten und auf dem Land wird jede Wand, die als Trennung zwischen Gebäuden bis zum Dachfirst oder zwischen Höfen und Gärten und sogar zwischen Einfriedungen auf Feldern dient, als gemeinschaftlich vermutet, sofern kein gegenteiliger Titel oder kein gegenteiliges Merkmal vorliegt.“ Mit anderen Worten: Diese Vermutung gilt nur für Trennwände, d.h. vertikale Trennwände, die zwei benachbarte Grundstücke trennen. Sie gilt nicht für horizontale Elemente wie Böden, Decken oder Dächer.
In diesem Fall hatte das Berufungsgericht bereits betont, dass die streitige Decke keine Trennwand sei. Der Kassationsgerichtshof billigt diese Argumentation: Er erinnert daran, dass die Vermutung der Mitoyenneté eine Ausnahme vom Eigentumsrecht ist und eng ausgelegt werden muss. Daher kann dieses Regime nicht auf Elemente ausgedehnt werden, die nicht ausdrücklich vom Gesetz erfasst werden.
Die Richter wiesen daher das Argument von Herrn X zurück, der behauptete, die Decke müsse, weil sie zwei Wohnungen trenne, als Trennwand betrachtet werden. Der Gerichtshof antwortet, dass der Begriff „Trennwand“ im Sinne von Artikel 653 ein technischer Begriff sei: Es handele sich um eine vertikale Wand, nicht um einen Boden. Damit bestätigt der Kassationsgerichtshof eine ständige Rechtsprechung: Die Mitoyenneté gilt nicht für Böden, Decken oder Dächer. Achtung jedoch: Dies bedeutet nicht, dass der Eigentümer der unteren Wohnung ohne Rechtsmittel ist. Es gibt andere rechtliche Grundlagen, wie die Theorie der anormalen Nachbarschaftsstörungen (Artikel 1240 des Code civil) oder die Regeln der Wohnungseigentümergemeinschaft (Gesetz vom 10. Juli 1965).
Was das für Sie konkret ändert
Wenn Sie Eigentümer in Bandol oder Brignoles sind, hat diese Entscheidung direkte Konsequenzen. Nehmen wir an, Sie sind Eigentümer einer Wohnung im Erdgeschoss einer Wohnungseigentümergemeinschaft. Ihr Nachbar im ersten Stock erneuert seine Decke, die auch Ihr Boden ist. Es treten Risse auf. Sie denken, dieser Boden sei gemeinschaftlich und die Kosten müssten 50/50 geteilt werden. Nach dieser Entscheidung liegen Sie falsch. Die Vermutung der Mitoyenneté gilt nicht.
Aber wie erhalten Sie dann Schadensersatz? Mehrere Optionen stehen Ihnen offen. Erstens: Wenn die Arbeiten Ihres Nachbarn die Ursache der Schäden sind, können Sie die Haftung wegen anormaler Nachbarschaftsstörungen (Artikel 1240 des Code civil) geltend machen. Sie müssen nachweisen, dass die Arbeiten einen Schaden verursacht haben, der über die normalen Unannehmlichkeiten der Nachbarschaft hinausgeht. Zweitens: Wenn das Gebäude eine Wohnungseigentümergemeinschaft ist, kann die Teilungserklärung spezifische Regeln für die Verteilung der Kosten für Gemeinschaftseigentum (wie Böden) vorsehen. In diesem Fall sind die Bestimmungen der Teilungserklärung maßgeblich. Drittens: Wenn die Decke zu den Gemeinschaftsflächen gehört, kann die Eigentümerversammlung über die Durchführung und Kostenverteilung der Arbeiten entscheiden. In jedem Fall ist es wichtig, einen auf Immobilienrecht spezialisierten Anwalt zu konsultieren, um die beste Vorgehensweise zu bestimmen.

