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Binationaler Rechtsanwalt: Darf er Kanzleien in mehreren EU-Ländern haben?
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Binationaler Rechtsanwalt: Darf er Kanzleien in mehreren EU-Ländern haben?

📅 Décision du 30 Januar 1985⚖️ Cour de cassation👁️ 11 vues📖 5 min de lecture

Der Kassationsgerichtshof hat entschieden, dass ein in Frankreich niedergelassener Rechtsanwalt auch einen beruflichen Wohnsitz in einem anderen EU-Mitgliedstaat haben darf, ohne dass die französische Regelung dies gemäß dem Europarecht verhindern kann.

Entscheidungsreferenz: cc • N° 82-12.908 • 1985-01-30 • Entscheidung einsehen →

Stellen Sie sich einen Moment vor: Sie sind Rechtsanwalt in Vitré, gut etabliert in Ihrer Kanzlei in der Nähe des Gerichts. Aber Sie haben auch Verbindungen nach Deutschland, wo Sie einen Mandantenstamm aufbauen möchten. Problem: Die interne Geschäftsordnung der Pariser Anwaltskammer verbietet Ihnen, eine zweite Berufskanzlei im Ausland zu haben. Was tun? Genau diese Frage musste der Kassationsgerichtshof 1985 entscheiden. Und seine Antwort ließ die Anwaltskammern erzittern.

Diese Entscheidung, die der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt ist, ist dennoch grundlegend für alle Rechtsberufe: Sie bekräftigt die Niederlassungsfreiheit innerhalb der Europäischen Union, selbst ohne harmonisierte Richtlinien. Für Eigentümer, Mieter oder Immobilienfachleute zeigt sie, wie Europarecht über nationale Regelungen geht – ein Prinzip, das auch auf andere reglementierte Berufe anwendbar sein kann.

Also, was sagt dieses Urteil konkret? Ein deutscher Rechtsanwalt, der in Paris niedergelassen war, wollte den Eid ablegen und sich in die Pariser Anwaltskammer eintragen lassen, während er seine Kanzlei in Köln behielt. Die Pariser Anwaltskammer lehnte ab und berief sich auf Artikel 83 des Dekrets vom 9. Juni 1972, der einen einzigen beruflichen Wohnsitz in Frankreich vorschreibt. Aber der Kassationsgerichtshof, gestützt auf eine Entscheidung des Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften, gab dem Anwalt recht. Erläuterungen.

Der Sachverhalt: eine Geschichte, wie sie täglich vorkommt

Unsere Geschichte beginnt mit Herrn X, einem Rechtsanwalt deutscher Staatsangehörigkeit, der in Köln niedergelassen ist. Doktor der Rechte der Universität Paris, möchte er seine Tätigkeit auf Frankreich ausweiten. Er beantragt daher die Zulassung zum Anwaltseid und die Eintragung in die Liste des Praktikums der Pariser Anwaltskammer. Soweit nichts Ungewöhnliches, außer dass Herr X seine Berufskanzlei in Köln beibehält. Er möchte in beiden Ländern praktizieren.

Die Pariser Anwaltskammer lehnt ab: Artikel 83 des Dekrets vom 9. Juni 1972 sowie Artikel 1 der internen Geschäftsordnung der Pariser Anwaltskammer schreiben jedem Anwalt einen einzigen beruflichen Wohnsitz in Frankreich vor. Eine zweite Kanzlei im Ausland kommt nicht in Frage. Herr X ficht diese Entscheidung vor dem Kassationsgerichtshof an. Er beruft sich auf Europarecht: die Artikel 52 ff. des Vertrags von Rom, die die Niederlassungsfreiheit in der Europäischen Union garantieren.

Der Kassationsgerichtshof, mit der Sache befasst, beschließt, das Verfahren auszusetzen und legt dem Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften (EuGH) eine Vorabentscheidungsfrage vor. Dieser antwortet in einem Urteil vom 13. Juli 1984 klar: Selbst ohne harmonisierte Richtlinien kann ein Mitgliedstaat einem Anwalt aus einem anderen Mitgliedstaat den Zugang zum Beruf nicht allein deshalb verweigern, weil er eine Kanzlei in seinem Herkunftsland behält. Der Kassationsgerichtshof, an diese Auslegung gebunden, hebt daraufhin die Entscheidung der Pariser Anwaltskammer auf. Der deutsche Anwalt kann also in Paris praktizieren und gleichzeitig seine Kanzlei in Köln behalten.

Die Begründung des Gerichts – aufgeschlüsselt

Der Kassationsgerichtshof stützt sich auf das Urteil des EuGH vom 13. Juli 1984 (Rechtssache 107/83, Klopp). In diesem Urteil legt der EuGH die Artikel 52 ff. des Vertrags von Rom (jetzt Artikel 49 ff. AEUV) aus, die die Niederlassungsfreiheit begründen. Nach Auffassung des EuGH beschränkt sich diese Freiheit nicht auf das Recht, eine Zweigniederlassung zu gründen, sondern umfasst auch das Recht, eine Hauptniederlassung in einem anderen Mitgliedstaat zu behalten und gleichzeitig eine Zweigniederlassung anderswo zu gründen. Die Staatsangehörigkeitsvoraussetzung darf für den Zugang zum Beruf nicht verlangt werden, sofern der Anwalt die anderen Voraussetzungen (Diplome, Moralität usw.) erfüllt.

Der Kassationsgerichtshof wendet diese Argumentation an: Artikel 83 des Dekrets vom 9. Juni 1972, der einen einzigen beruflichen Wohnsitz in Frankreich vorschreibt, kann nicht verhindern, dass ein in Frankreich niedergelassener Anwalt auch einen oder mehrere berufliche Wohnsitze in anderen Mitgliedstaaten der Gemeinschaft hat. Voraussetzung ist, dass dieser Anwalt, abgesehen von der Staatsangehörigkeitsvoraussetzung, die von den jeweiligen Rechtsordnungen dieser Länder geforderten Bedingungen erfüllt. Mit anderen Worten: Das nationale Recht muss dem Europarecht weichen.

Diese Entscheidung ist eine Bestätigung des Vorrangs des Europarechts vor nationalem Recht. Sie zeigt, dass die französischen Richter, selbst ohne präzise Richtlinien, die grundlegenden Prinzipien des Vertrags respektieren müssen. Für Nichtjuristen: Merken Sie sich Folgendes: Wenn eine nationale Regel dem Recht der Europäischen Union (insbesondere der Niederlassungsfreiheit) widerspricht, hat das Europarecht Vorrang. Ein Prinzip, das auch auf andere reglementierte Berufe wie Notare, Architekten oder Wirtschaftsprüfer anwendbar sein kann.

Was das für Sie konkret ändert

Diese Entscheidung betrifft direkt Rechtsanwälte, hat aber Auswirkungen auf alle Immobilienfachleute. Nehmen wir ein Beispiel: Ein Immobilienmakler mit Sitz in Pacé möchte eine Agentur in Brüssel eröffnen und gleichzeitig seine Tätigkeit in der Bretagne fortsetzen. Wenn die französische Regelung ihm eine einzige Niederlassung vorschreiben würde, könnte er die europäische Niederlassungsfreiheit anführen, um diese Einschränkung anzufechten. Zwar ist der Beruf des Immobilienmaklers reglementiert, aber das Prinzip ist dasselbe.

Für Eigentümer und Mieter veranschaulicht diese Entscheidung einen wesentlichen Mechanismus: Europarecht kann manchmal Vorrang vor lokalen Regeln haben. Wenn Sie mit einem Verbot konfrontiert sind, das Ihnen im Widerspruch zu europäischen Freiheiten zu stehen scheint (z. B. eine missbräuchliche Wettbewerbsverbotsklausel in einem Gewerbemietvertrag), sollten Sie wissen, dass die Gerichte die nationale Regel außer Acht lassen können.

Questions fréquentes

Puis-je exercer en France et dans un autre pays de l'UE en même temps ?

Oui, si vous remplissez les conditions d'accès à la profession dans chaque pays. La liberté d'établissement le permet, même si la réglementation nationale prévoit le contraire.

Que faire si mon ordre professionnel refuse mon inscription au motif que j'ai déjà un cabinet à l'étranger ?

Vous pouvez contester ce refus devant le tribunal administratif ou judiciaire, en invoquant la primauté du droit européen. Consultez un avocat.

Quels sont les risques si je m'installe sans autorisation ?

Vous pourriez être poursuivi pour exercice illégal de la profession. Mieux vaut obtenir une autorisation préalable ou contester un refus avant de commencer à exercer.

Cette liberté s'applique-t-elle aux notaires ?

Oui, mais avec des nuances car la profession de notaire est souvent liée à l'exercice de prérogatives de puissance publique. La CJCE a rendu des arrêts spécifiques.

Combien de temps dure une procédure pour contester un refus ?

En moyenne 6 à 18 mois devant les juridictions nationales, plus un éventuel renvoi préjudiciel à la CJCE qui peut allonger le délai de 1 à 2 ans.

Informations juridiques

  • Numéro: 82-12.908
  • Juridiction: Cour de cassation
  • Date de décision: 30 janvier 1985

Mots-clés

liberté d'établissementavocatUnion européennedomicile professionnelCour de cassation

Cas d'usage pratiques

1

Avocat français souhaitant ouvrir un cabinet en Allemagne

Maître Dupont, avocat à Paris, veut ouvrir un second cabinet à Berlin. Le barreau de Paris lui oppose l'obligation de domicile unique. Grâce à la jurisprudence de 1985, il peut contester et obtenir le droit d'exercer dans les deux pays.

Application pratique:

Maître Dupont doit vérifier qu'il remplit les conditions d'accès à la profession en Allemagne (diplômes, stage). Il peut ensuite saisir le conseil de l'ordre ou le tribunal administratif en invoquant l'arrêt Klopp et la liberté d'établissement. Un avocat spécialisé en droit européen peut l'assister.

2

Agent immobilier basé à Pacé voulant s'établir à Bruxelles

M. Martin, agent immobilier à Pacé, souhaite ouvrir une agence à Bruxelles tout en conservant son activité en Bretagne. La réglementation française impose un établissement unique ? Il peut invoquer la même liberté d'établissement, même si sa profession est moins réglementée que celle d'avocat.

Application pratique:

Il doit d'abord vérifier les conditions d'exercice en Belgique (carte professionnelle, assurance). Ensuite, il peut contester toute interdiction en justice. Il est conseillé de consulter un avocat pour préparer un dossier solide.

3

Notaire à Vitré voulant exercer également en Italie

Me Bianchi, notaire à Vitré, d'origine italienne, veut ouvrir une étude à Milan. Les notaires sont souvent soumis à des restrictions nationales fortes. Cette jurisprudence peut l'aider, mais nécessite une analyse plus poussée des arrêts spécifiques de la CJCE.

Application pratique:

Il doit consulter un avocat spécialisé pour déterminer si la liberté d'établissement s'applique pleinement. Il peut être nécessaire de saisir la CJCE par question préjudicielle. En attendant, il peut commencer les démarches administratives en Italie.

Maître Cécile Zakine

À propos de l'auteur

Maître Cécile Zakine — Avocate au Barreau des Alpes-Maritimes, Docteur en Droit. Chaque article de ce magazine est rédigé à partir de l'analyse d'une décision de jurisprudence réelle, commentée et mise en perspective par les équipes de Maître Zakine.

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