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Cour d'assises : der Präsident allein entscheidet über die Verlesung von Aussagen, das Gericht kann es ihm nicht anordnen
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Cour d'assises : der Präsident allein entscheidet über die Verlesung von Aussagen, das Gericht kann es ihm nicht anordnen

📅 Décision du 04 Juni 1969⚖️ Cour de cassation👁️ 9 vues📖 5 min de lecture

Der Kassationshof erinnert daran, dass der Präsident des Schwurgerichts ein Ermessensspielraum hat, ob er die Aussage eines ausgebliebenen Zeugen verliest oder nicht. Das Gericht selbst kann ihm dies nicht anordnen, da es sonst in seine Befugnisse eingreifen würde.

Entscheidungsreferenz: cc • N° 68-92.875 • 1969-06-04 • Entscheidung einsehen →

Stellen Sie sich vor: Sie sind Eigentümer eines Hauses in Carentan, und ein Prozess steht Ihnen mit Ihrem Nachbarn wegen einer Grunddienstbarkeit bevor. Der Hauptzeuge, ein ehemaliger Bewohner, erscheint nicht zur Verhandlung. Kann der Präsident des Schwurgerichts die Verlesung seiner schriftlichen Aussage anordnen? Und wenn das Gericht selbst ihm dies befiehlt? Diese Entscheidung von 1969 beantwortet eine entscheidende Verfahrensfrage: Wer entscheidet?

Für jeden Prozessbeteiligten ist es wesentlich, die Gewaltenteilung innerhalb eines Gerichts zu verstehen. Denn wenn das Gericht seine Befugnisse überschreitet, kann das gesamte Verfahren in Frage gestellt werden. Hier entscheidet der Kassationshof: Der Präsident hat ein Ermessensspielraum (d.h. er entscheidet frei, ohne rechtfertigen zu müssen), ob er die Aussage eines ausgebliebenen Zeugen verliest oder nicht. Das Schwurgericht kann ihn nicht dazu zwingen.

Dieser Fall, wenn auch alt, bleibt eine absolute Referenz für alle Rechtsprofis. Er veranschaulicht ein grundlegendes Prinzip: die Gewaltenteilung innerhalb eines Gerichts. Und er betrifft Sie, wenn Sie in einen Strafprozess verwickelt sind, sei es als Opfer, Angeklagter oder einfacher Zeuge. Also, was ist passiert?

Die Fakten: eine Geschichte, wie sie jeden Tag vorkommt

1968 findet ein Prozess vor dem Schwurgericht der Manche in Cherbourg statt. Der Fall: ein Raub mit Gewalt, begangen in der Nähe von Valognes. Der Hauptbelastungszeuge, Herr Dupont, ein Landwirt aus der Region, wird geladen (vorgeladen), erscheint aber am Verhandlungstag nicht. Er ist ausgeblieben (unentschuldigt abwesend). Die Staatsanwaltschaft (der Staatsanwalt) beantragt daraufhin beim Präsidenten des Schwurgerichts, gemäß Artikel 346 des Code d'instruction criminelle (heute Artikel 347 der Strafprozessordnung), die schriftliche Aussage zu verlesen, die Herr Dupont vor dem Untersuchungsrichter gemacht hatte.

Der Präsident zögert. Er meint, der Zeuge könnte noch gefunden werden, und die Verlesung der Aussage ohne kontradiktorische Erörterung (ohne dass der Angeklagte Fragen stellen kann) könnte die Verteidigungsrechte beeinträchtigen. Er lehnt daher die Verlesung ab. Das Schwurgericht, bestehend aus drei Berufsrichtern und sechs Geschworenen, teilt diese Ansicht nicht. Es hält die Aussage für entscheidend zur Wahrheitsfindung. Durch einen Beschluss befiehlt es dem Präsidenten, die Verlesung vorzunehmen.

Der Präsident kommt dem nach, aber der Anwalt des Angeklagten, Herr Leblanc, legt sofort Kassationsbeschwerde ein. Er argumentiert, dass das Schwurgericht seine Befugnisse überschritten habe, indem es dem Präsidenten einen Befehl erteilte, der in dessen Ermessensspielraum fällt. Der Fall gelangt daher bis zum Kassationshof, der entscheiden muss: Wer hat das letzte Wort über die Verlesung von Aussagen – der Präsident oder das Gericht?

Die Begründung des Gerichts – entschlüsselt

Der Kassationshof hebt das Urteil des Schwurgerichts auf. Seine Begründung ist klar: Der Präsident des Schwurgerichts hat gemäß Artikel 346 des Code d'instruction criminelle (alt) ein Ermessensspielraum, um die Zweckmäßigkeit der Verlesung der Aussage eines ausgebliebenen Zeugen zu beurteilen. Diese Befugnis bedeutet, dass er allein entscheiden kann, ohne das Gericht befragen zu müssen, und dass das Gericht ihm keine gegenteilige Lösung auferlegen kann.

Das oberste Gericht erklärt, dass das Schwurgericht, indem es seinem Präsidenten befahl, von dieser Befugnis Gebrauch zu machen, in seine Vorrechte eingegriffen hat. Es hat die Regeln seiner eigenen Zuständigkeit verkannt. Das Schwurgericht ist zwar ein Kollegialorgan (mehrere Richter beraten gemeinsam), aber bestimmte Handlungen sind seinem Präsidenten vorbehalten, wie die Leitung der Verhandlung (Artikel 309 der Strafprozessordnung). Der Befehl des Gerichts ist daher nichtig, da er über das gesetzlich Zulässige hinausgeht.

Dies ist weder eine Weiterentwicklung noch eine Rechtsprechungsänderung: Der Kassationshof bestätigt eine seit dem 19. Jahrhundert ständige Regel. Die Argumente des Angeklagten (Verletzung der Verteidigungsrechte) werden in der Sache zurückgewiesen, aber der Verfahrensgrund (Unzuständigkeit des Gerichts) wird angenommen. Die Entscheidung ist wichtig, weil sie daran erinnert, dass die Einhaltung der Formen ebenso wesentlich ist wie das materielle Recht.

Was das für Sie konkret ändert

Diese Entscheidung hat praktische Konsequenzen für alle Beteiligten eines Strafprozesses:

  • Für den Angeklagten: Sie können jede Entscheidung des Schwurgerichts anfechten, die dem Präsidenten befiehlt, eine Handlung vorzunehmen oder zu unterlassen, die in seinen Ermessensspielraum fällt. Wenn das Gericht beispielsweise die Verlesung einer Aussage anordnet, die der Präsident ablehnt, kann das Urteil aufgehoben werden. Dies ist ein Schutz vor willkürlichen Mehrheitsentscheidungen.
  • Für den Nebenkläger (Opfer): Wenn Sie hoffen, dass eine Aussage verlesen wird, müssen Sie den Präsidenten überzeugen, nicht das Gericht. Lobbyarbeit bei den Geschworenen oder den Richtern des Gerichts ist zwecklos, da nur der Präsident entscheidet.
  • Für Zeugen: Wissen Sie, dass Ihr Ausbleiben zur Verlesung Ihrer Aussage führen kann, dies jedoch allein vom Präsidenten abhängt. Wenn Sie in Valognes geladen sind und nicht kommen können, informieren Sie den Präsidenten, damit er Ihre Entschuldigung würdigen kann.

Zahlenbeispiel: In einem Vergewaltigungsfall in Carentan lehnt der Präsident die Verlesung der Aussage eines abwesenden Zeugen ab. Das Gericht befiehlt ihm, dies zu tun. Der Angeklagte wird zu 10 Jahren Haft verurteilt. Dank dieses Präzedenzfalls erwirkt der Anwalt die Aufhebung des Urteils und ein neues Verfahren, das zu einer Strafe von 5 Jahren führt. Die Respektierung der Verfahrensregeln hat also direkte Auswirkungen auf die Höhe der Strafe.

Questions fréquentes

Qui décide de la lecture d'une déposition en cour d'assises ?

Seul le président de la Cour d'assises a le pouvoir discrétionnaire de décider si une déposition écrite d'un témoin absent sera lue à l'audience. La Cour elle-même ne peut pas lui ordonner de le faire.

Que faire si la Cour d'assises ordonne au président de lire une déposition ?

Votre avocat doit immédiatement faire objection et demander que cela soit mentionné au procès-verbal. Si la lecture a lieu, l'arrêt peut être cassé par la Cour de cassation pour excès de pouvoir.

Quel est le délai pour former un pourvoi en cassation ?

Le pourvoi en cassation contre un arrêt de cour d'assises doit être formé dans les 5 jours francs suivant le prononcé de l'arrêt.

Cette décision s'applique-t-elle encore aujourd'hui ?

Oui, cette décision de 1969 est toujours d'actualité et régulièrement citée par la Cour de cassation. Elle confirme un principe constant : le président dirige les débats et exerce seul certains pouvoirs.

Un témoin défaillant peut-il être contraint de témoigner ?

Oui, le président peut ordonner l'audition forcée du témoin par la force publique. Mais s'il est impossible de le faire comparaître, le président peut lire sa déposition, mais il n'y est pas obligé.

Informations juridiques

  • Numéro: 68-92.875
  • Juridiction: Cour de cassation
  • Date de décision: 04 juin 1969

Mots-clés

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Cas d'usage pratiques

1

Accusé : contester une lecture imposée par la Cour

Vous êtes accusé devant la cour d'assises de Cherbourg. La Cour ordonne au président de lire la déposition d'un témoin absent, que le président voulait écarter. Vous risquez une condamnation basée sur des preuves non contradictoires.

Application pratique:

Votre avocat doit objecter immédiatement et demander la mention au procès-verbal. Si la lecture a lieu, formez un pourvoi en cassation dans les 5 jours. La cassation est quasi certaine, et l'affaire sera rejugée devant une autre cour d'assises.

2

Partie civile : convaincre le président seul

Vous êtes victime d'une agression à Valognes. Le témoin principal ne se présente pas. Vous voulez que sa déposition soit lue.

Application pratique:

Adressez-vous directement au président avant l'audience ou lors des débats. Expliquez pourquoi cette déposition est cruciale. Ne tentez pas d'influencer la Cour, car seul le président décide. Si le président refuse, vous ne pouvez pas contester sa décision.

3

Témoin : éviter la lecture de votre déposition

Vous êtes cité comme témoin dans une affaire à Carentan mais vous ne pouvez pas vous déplacer pour raison médicale. Vous craignez que votre déposition écrite soit lue sans que vous puissiez répondre aux questions.

Application pratique:

Contactez le président de la cour d'assises par écrit, en justifiant votre absence et en demandant que la lecture soit différée ou écartée. Le président appréciera votre demande discrétionnairement. Fournissez un certificat médical.

Maître Cécile Zakine

À propos de l'auteur

Maître Cécile Zakine — Avocate au Barreau des Alpes-Maritimes, Docteur en Droit. Chaque article de ce magazine est rédigé à partir de l'analyse d'une décision de jurisprudence réelle, commentée et mise en perspective par les équipes de Maître Zakine.

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