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Ergänzende Polizeigewahrsamnahme: Nichtigkeit der Vernehmungen, nicht aber der Maßnahme selbst – Auswirkungen für Ausländer
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Ergänzende Polizeigewahrsamnahme: Nichtigkeit der Vernehmungen, nicht aber der Maßnahme selbst – Auswirkungen für Ausländer

📅 Décision du 23 Juni 2021⚖️ Cour de cassation👁️ 13 vues📖 5 min de lecture

Der Kassationshof stellt klar, dass die fehlende Information der Staatsanwaltschaft bei einer ergänzenden Polizeigewahrsamnahme die Nichtigkeit der Vernehmungen zu den neuen Tatsachen, nicht aber der Maßnahme selbst zur Folge hat. Für Ausländer in Abschiebehaft ist die Aufhebung nur bei Rechtsverletzung möglich.

Entscheidungsreferenz: cc • Nr. 19-22.678 • 2021-06-23 • Entscheidung einsehen →

Stellen Sie sich vor: Sie sind Eigentümer einer Wohnung in Bollène und vermieten an einen Mieter ausländischer Staatsangehörigkeit. Eines Tages wird dieser Mieter wegen einer geringfügigen Straftat in Polizeigewahrsam genommen. Während dieser Gewahrsamnahme vernehmen ihn die Polizisten zu anderen Taten – etwa wegen Hehlerei – ohne die Staatsanwaltschaft zu informieren. Später wird ein Ausweisungsverfahren eingeleitet, und Ihr Mieter landet im Abschiebezentrum von Pertuis. Sie fragen sich: Ist diese ergänzende Polizeigewahrsamnahme gültig? Kann der Richter das gesamte Verfahren für nichtig erklären?

Genau diese Frage wurde dem Kassationshof in seinem Urteil vom 23. Juni 2021 (Nr. 19-22.678) vorgelegt. Eine Frage, die das Gleichgewicht zwischen Verteidigungsrechten und Ermittlungseffizienz betrifft und direkte Auswirkungen auf Ausländer in irregulärer Situation hat – und indirekt auf die Eigentümer, die sie beherbergen.

Die Antwort des Gerichts ist differenziert: Die fehlende Information der Staatsanwaltschaft macht die Vernehmungen zu den neuen Tatsachen nichtig, nicht aber die Polizeigewahrsamnahme selbst. Und für Ausländer ist die Aufhebung der Abschiebehaft nicht automatisch. Eine Analyse.

Der Sachverhalt: eine alltägliche Geschichte

Der Fall beginnt mit einer gewöhnlichen Polizeigewahrsamnahme. Herr X, ein ausländischer Staatsangehöriger, wird wegen Hehlerei – dem Besitz gestohlener Güter – in Polizeigewahrsam genommen. Doch die Polizisten bleiben nicht dabei stehen: Während der Gewahrsamnahme vernehmen sie ihn auch zu anderen Taten, die als „ergänzende Hehlerei“ qualifiziert werden, ohne die Staatsanwaltschaft zu informieren. Diese zusätzliche Vernehmung wird als „ergänzende Polizeigewahrsamnahme“ bezeichnet: Sie verlängert die ursprüngliche Maßnahme, um neuen Verdachtsmomenten nachzugehen.

Artikel 65 der Strafprozessordnung verpflichtet den Polizeibeamten jedoch, die Staatsanwaltschaft „unverzüglich“ über die neuen Tatsachen und deren rechtliche Einordnung zu informieren. Im vorliegenden Fall unterblieb diese Information. Die Folge: Das Verfahren wird angefochten, und Herr X erscheint vor dem Richter für Freiheits- und Haftfragen, um die Nichtigkeit der Polizeigewahrsamnahme und damit auch der anschließenden Abschiebehaft zu beantragen (er befand sich in einer irregulären Situation und war Gegenstand einer Ausreiseverpflichtung).

Der Rechtsweg ist komplex: Zunächst erklärt der erstinstanzliche Richter die Polizeigewahrsamnahme für nichtig und ordnet die Aufhebung der Abschiebehaft an. Das Berufungsgericht hebt diese Entscheidung jedoch auf, da die Unregelmäßigkeit die Rechte von Herrn X nicht verletzt habe. Daraufhin wird der Kassationshof angerufen. Nach mehreren Wendungen fällt er am 23. Juni 2021 ein Grundsatzurteil.

Die Argumentation des Gerichts – aufgeschlüsselt

Der Kassationshof erinnert zunächst an die rechtliche Grundlage: Artikel 65 der Strafprozessordnung, der die Information der Staatsanwaltschaft über neue Tatsachen vorschreibt. Und Artikel 802 derselben Ordnung, der die Nichtigkeit unregelmäßiger Handlungen vorsieht. Er präzisiert jedoch: Diese Nichtigkeit gilt nicht automatisch für die gesamte Polizeigewahrsamnahme.

Das Gericht unterscheidet zwei Dinge: einerseits die Vernehmungen zu den neuen Tatsachen (diejenigen, die ohne Information der Staatsanwaltschaft durchgeführt wurden) und andererseits die Polizeigewahrsamnahme selbst. Die Vernehmungen sind nichtig, da die fehlende Information zwangsläufig einen Nachteil darstellt (d.h. sie verletzt die Rechte der Person). Die ursprüngliche Polizeigewahrsamnahme bleibt dagegen gültig, ebenso wie die Handlungen, die nicht von den für nichtig erklärten Vernehmungen abhängen.

Wenn Sie also wegen eines Diebstahls in Polizeigewahrsam genommen werden und man Sie ohne Information der Staatsanwaltschaft zu einer Hehlerei verhört, können Ihre Aussagen zur Hehlerei nicht verwendet werden. Die Polizeigewahrsamnahme wegen Diebstahls bleibt jedoch rechtmäßig, und die vor der zusätzlichen Vernehmung gesammelten Beweise sind gültig.

Das Gericht geht für Ausländer in Abschiebehaft noch weiter. Artikel L. 552-13 des Gesetzbuchs über Einreise und Aufenthalt von Ausländern und das Asylrecht (CESEDA) erlaubt dem Richter, die Aufhebung der Abschiebehaft anzuordnen, wenn das Verfahren unregelmäßig ist, jedoch nur, wenn diese Unregelmäßigkeit „die Rechte des Ausländers verletzt“ hat. Das Gericht ist der Ansicht, dass die Nichtigkeit der Vernehmungen nicht automatisch eine Rechtsverletzung darstellt, die die Aufhebung rechtfertigt. Es muss ein konkreter Nachteil nachgewiesen werden – zum Beispiel, dass die Dauer der Abschiebehaft aufgrund der rechtswidrigen Vernehmung verlängert wurde.

Vorsicht jedoch: Die Tatsachenrichter müssen die Umstände prüfen. Im entschiedenen Fall hatte die ergänzende Polizeigewahrsamnahme die Gesamtdauer der Maßnahme nicht verlängert (sie fand im selben Zeitraum wie die ursprüngliche Polizeigewahrsamnahme statt). Daher wurde kein Nachteil festgestellt, und die Abschiebehaft wurde aufrechterhalten.

Zu beachten ist, dass diese Entscheidung einer ständigen Rechtsprechung folgt. Der Kassationshof achtet darauf, dass Nichtigkeiten nicht automatisch, sondern an einen Nachteil geknüpft sind. Ein pragmatischer Ansatz, der Kaskadennichtungen wegen geringfügiger Mängel vermeidet.

Was das für Sie konkret ändert

Für Vermieter: Wenn Sie an einen Ausländer in irregulärer Situation vermieten, sollten Sie wissen, dass dessen Abschiebung verzögert werden kann, wenn das Polizeigewahrsamverfahren fehlerhaft ist. Diese Entscheidung zeigt jedoch, dass die Nichtigkeit nicht systematisch ist. Wenn Sie mit einem Mieter in Abschiebehaft konfrontiert sind, verlassen Sie sich nicht auf eine automatische Nichtigkeit, um ihn schneller freizubekommen.

Für ausländische Mieter: Wenn Sie in Polizeigewahrsam genommen werden und die Polizisten Sie zu Tatsachen vernehmen, die der Staatsanwaltschaft nicht mitgeteilt wurden, können Ihre Anwälte die Nichtigkeit dieser Vernehmungen beantragen.

Questions fréquentes

Qu'est-ce qu'une garde à vue supplétive ?

C'est une audition sur des faits nouveaux pendant une garde à vue déjà en cours, sans nouvelle notification préalable. L'article 65 du code de procédure pénale impose d'en informer le procureur.

Puis-je obtenir la nullité de toute la garde à vue si le procureur n'a pas été informé ?

Non, seule l'audition sur les nouveaux faits peut être annulée, ainsi que les actes qui en dépendent exclusivement. La garde à vue initiale reste valable.

Que faire si je suis étranger en rétention suite à une garde à vue irrégulière ?

Demandez à votre avocat de vérifier si l'irrégularité a prolongé votre détention. Si oui, vous pouvez demander la mainlevée de la rétention pour atteinte à vos droits.

Quels délais pour contester une garde à vue irrégulière ?

La contestation doit être soulevée devant le juge des libertés dès l'audience de prolongation de la rétention ou lors de la comparution. Passé ce délai, il est plus difficile d'obtenir une nullité.

Combien coûte une consultation avec un avocat spécialisé ?

Comptez entre 45€ et 150€ pour une première consultation de 30 minutes. Maître Zakine propose une consultation à 45€.

Informations juridiques

  • Numéro: 19-22.678
  • Juridiction: Cour de cassation
  • Date de décision: 23 juin 2021

Mots-clés

garde à vuenullitéétrangerrétention administrativeprocédure pénale

Cas d'usage pratiques

1

Propriétaire bailleur à Bollène : locataire en rétention

Vous louez un appartement à Bollène à un ressortissant étranger en situation irrégulière. Il est placé en rétention après une garde à vue pour vol, pendant laquelle il a été interrogé sur un recel sans information du procureur. Le loyer n'est plus payé.

Application pratique:

Vous ne pouvez pas compter sur une nullité automatique de la rétention. Votre locataire devra prouver que l'audition supplémentaire a prolongé sa garde à vue. Sinon, la rétention est maintenue et vous pouvez engager une procédure d'expulsion pour loyers impayés. Consultez un avocat pour évaluer les chances d'annulation.

2

Locataire étranger à Pertuis : contester la rétention

Vous êtes locataire à Pertuis et vous êtes placé en rétention au CRA de Pertuis. Pendant votre garde à vue pour défaut de titre, on vous interroge sur un recel sans que le procureur soit informé. Votre avocat demande la nullité de la rétention.

Application pratique:

Votre avocat doit démontrer que l'audition supplémentaire a allongé votre garde à vue d'au moins quelques heures. Fournissez les horaires précis. Si la durée totale n'a pas augmenté, la rétention sera maintenue. Dans ce cas, concentrez-vous sur d'autres irrégularités (absence d'interprète, etc.).

3

Professionnel de l'immobilier : conseiller un client

Un client propriétaire vous consulte car son locataire est en rétention à Pertuis. Il veut savoir s'il peut récupérer son logement rapidement. La garde à vue du locataire comportait une audition supplétive sans information du procureur.

Application pratique:

Expliquez au client que l'irrégularité de la garde à vue n'entraîne pas automatiquement la nullité de la rétention. Il faut un préjudice concret. Si la rétention est maintenue, le propriétaire peut entamer une procédure d'expulsion pour loyers impayés (délai : environ 2 à 3 mois). Recommandez-lui de consulter un avocat spécialisé en droit immobilier et droit des étrangers.

Maître Cécile Zakine

À propos de l'auteur

Maître Cécile Zakine — Avocate au Barreau des Alpes-Maritimes, Docteur en Droit. Chaque article de ce magazine est rédigé à partir de l'analyse d'une décision de jurisprudence réelle, commentée et mise en perspective par les équipes de Maître Zakine.

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