Referenzentscheidung: cc • Nr. 15-12.417 • 2015-07-07 • Entscheidung einsehen →
Stellen Sie sich vor: Sie sind Eigentümer einer Wohnung in Le Cannet, und ein Mieter verklagt Sie auf Nichtigkeit des Mietvertrags, weil er ein Gesetz für verfassungswidrig hält. Sie fragen sich: „Kann er wirklich auf diese Weise das Gesetz in Frage stellen?“ Die Frage der vorrangigen Verfassungsmäßigkeit (QPC) ermöglicht es jedem Rechtsuchenden, ein Gesetz anzufechten, das seine Grundrechte verletzt. Allerdings muss die Frage zulässig sein. Genau daran hat der Conseil constitutionnel in seiner Entscheidung vom 7. Juli 2015 erinnert.
Diese Entscheidung betrifft eine QPC, die vor dem Kassationsgerichtshof gestellt wurde. Der Antragsteller war der Ansicht, dass bestimmte Verordnungsbestimmungen die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 verletzten. Der Conseil constitutionnel lehnte jedoch die Vorlage der Frage ab, mit der Begründung, dass sie die vorherige Klärung einer reinen Verordnungsfrage voraussetze. Man kann die QPC nicht nutzen, um ein Dekret oder eine Verordnung anzufechten: Nur Gesetze sind betroffen.
Für die Akteure der Immobilienbranche ist diese Unterscheidung entscheidend. Ob Sie nun vermietender Eigentümer in Nizza oder Bauträger in Grasse sind: Zu wissen, wann und wie eine QPC geltend gemacht werden kann, kann in einem Rechtsstreit den Unterschied ausmachen. Aber Vorsicht: Das Verfahren ist streng geregelt. Dieser Artikel erklärt Ihnen alles in klarer Sprache mit konkreten Beispielen.
Der Sachverhalt: Eine Geschichte, wie sie täglich vorkommt
Herr X, Eigentümer einer Immobilie in Le Cannet, hatte mit einem Mieter einen Wohnraummietvertrag abgeschlossen. Es kam zu Meinungsverschiedenheiten über die Höhe der Nebenkosten. Der Mieter verklagte Herrn X vor dem Tribunal d'instance von Grasse auf Nichtigkeit des Mietvertrags mit der Begründung, dass bestimmte Bestimmungen der Durchführungsverordnung zum Gesetz vom 6. Juli 1989 (das Gesetz, das Wohnraummietverhältnisse regelt) verfassungswidrig seien. Seiner Ansicht nach verletzten diese Verordnungsbestimmungen das Eigentumsrecht, das durch die Erklärung von 1789 garantiert wird.
Das Tribunal d'instance legte die Frage der vorrangigen Verfassungsmäßigkeit dem Kassationsgerichtshof vor. Dieser befasste dann den Conseil constitutionnel, damit er über die Zulässigkeit der QPC entscheide. Der Conseil prüfte, ob sich die Frage auf eine gesetzliche Bestimmung (ein vom Parlament verabschiedetes Gesetz) oder auf einen Verordnungstext (ein Dekret oder eine Verordnung) bezog. Denn die QPC kann nur ein Gesetz betreffen, nicht eine Verordnung.
Der Conseil constitutionnel stellte fest, dass die vom Mieter gestellte Frage die vorherige Klärung der Frage voraussetzte, ob die angegriffenen Bestimmungen verordnungsrechtlicher oder gesetzlicher Natur seien. Die QPC ist jedoch nicht das geeignete Instrument, um eine Verordnung anzufechten. Folglich wurde die Frage für unzulässig erklärt. Die Entscheidung verwies die Sache an den Kassationsgerichtshof zurück, der den Rechtsstreit entscheiden muss, ohne sich zur Verfassungsmäßigkeit der Verordnungstexte zu äußern.
Dieses Urteil veranschaulicht die Komplexität verfassungsrechtlicher Verfahren im Immobilienbereich. Der Mieter, vielleicht schlecht beraten, hat Zeit und Geld verloren. Wie können Sie also solche Fallstricke vermeiden?
Die Begründung des Gerichts – aufgeschlüsselt
Der Conseil constitutionnel stützte seine Entscheidung auf Artikel 61-1 der Verfassung, der es jedem Rechtsuchenden erlaubt, ein geltendes Gesetz anzufechten, das die von der Verfassung garantierten Rechte und Freiheiten verletzt. Dieses Verfahren hat jedoch strenge Grenzen. Insbesondere muss sich die Frage auf eine gesetzliche Bestimmung beziehen, nicht auf einen Verordnungsakt (Dekret, Verordnung usw.). Daran erinnert Artikel 23-5 der Verordnung vom 7. November 1958 über das organische Gesetz zum Conseil constitutionnel.
Im vorliegenden Fall griff der Antragsteller Bestimmungen an, die in einer Durchführungsverordnung zum Gesetz enthalten waren. Der Conseil war der Ansicht, dass zur Feststellung, ob diese Bestimmungen gesetzlicher oder verordnungsrechtlicher Natur seien, zunächst ihre genaue Art bestimmt werden müsse. Diese Vorfrage fiel jedoch in die Zuständigkeit der Tatsacheninstanzen, nicht des Conseil constitutionnel. Daher war die QPC verfrüht: Sie setzte die Klärung eines Punktes voraus, der nicht in die Zuständigkeit des Conseil fiel.
Diese Begründung steht im Einklang mit einer ständigen Rechtsprechung. Der Conseil constitutionnel wacht darüber, dass die QPC nicht dazu genutzt wird, die Regeln der Zuständigkeitsverteilung zwischen Gesetz und Verordnung zu umgehen. Wenn Sie also ein Dekret anfechten wollen, müssen Sie eine Nichtigkeitsklage vor dem Conseil d'État erheben, nicht eine QPC.
Was bedeutet das konkret für Sie? Es bedeutet, dass Sie in einem Immobilienrechtsstreit genau identifizieren müssen, ob der von Ihnen angefochtene Text ein Gesetz oder eine Verordnung ist. Beispielsweise werden die Regeln für technische Diagnosen (Energieausweis, Asbest, Blei) oft durch Dekret festgelegt. Wenn Sie der Ansicht sind, dass sie gegen die Verfassung verstoßen, können Sie nicht den Weg über die QPC gehen. Sie müssten

