Immobilier

Grunddienstbarkeit des Ausblicks ohne Genehmigung: Der Kassationshof entscheidet zugunsten der Ersitzung

📅 Décision du 21 April 2022⚖️ Cour de cassation📖 5 min de lecture

Der Kassationshof hat entschieden, dass eine Grunddienstbarkeit des Ausblicks auch ohne baurechtliche Voranmeldung und ohne Genehmigung der Wohnungseigentümerversammlung durch Ersitzung erworben werden kann. Ein Urteil, das die Gewissheiten von Nachbarn und Wohnungseigentümern erschüttert.

Entscheidungsreferenz: cc • N° 21-12.240 • 2022-04-21 • Entscheidung einsehen →

Stellen Sie sich vor: Sie sind Eigentümer einer Wohnung in Le Barcarès mit einem schönen Meerblick. Eines Morgens bricht Ihr Nachbar unter Ihnen ein Fenster in die Außenwand, das seinen Mietern einen direkten Blick auf Ihre Terrasse gewährt. Sie sind wütend, aber was sagt das Gesetz? Diese Entscheidung des Kassationshofs vom 21. April 2022 beantwortet eine Frage, die viele Wohnungseigentümer beschäftigt: Kann man eine Grunddienstbarkeit des Ausblicks ohne baurechtliche Genehmigung und ohne Zustimmung der Wohnungseigentümerversammlung erwerben?

Das Eigentumsrecht ist heilig, aber nicht absolut. Artikel 544 des Code civil erinnert daran: Eigentum ist das Recht, über Sachen in der absolutesten Weise zu genießen und zu verfügen, vorausgesetzt, man macht keinen durch Gesetze oder Verordnungen verbotenen Gebrauch davon. Und die anormale Nachbarschaftsstörung schränkt dieses Recht ein. Wenn also eine Außenwand ohne Genehmigung durchbrochen wird, kann der betroffene Nachbar dann die Beseitigung des Ausblicks verlangen?

Der Kassationshof hat entschieden: Das Fehlen einer baurechtlichen Voranmeldung und das Fehlen einer Genehmigung der Arbeiten durch die Wohnungseigentümerversammlung stehen dem Erwerb einer Grunddienstbarkeit des Ausblicks durch Ersitzung nicht entgegen. Mit anderen Worten: Wenn das Fenster seit mehr als dreißig Jahren vorhanden ist, ist es legal geworden, auch wenn es völlig illegal installiert wurde. Eine Entscheidung, die überrascht und eine genauere Betrachtung verdient.

Der Sachverhalt: eine alltägliche Geschichte

Herr X ist Eigentümer einer Wohnung in Le Barcarès in einem Gebäude, das dem Wohnungseigentumsgesetz unterliegt. 1985 lässt er ein Fenster in die Außenwand seiner Einheit brechen, das einen direkten Blick auf das Nachbargrundstück von Herrn Y bietet. Herr Y, verärgert, verklagt Herrn X auf Beseitigung des Fensters mit der Begründung, es stelle eine anormale Nachbarschaftsstörung dar und sei ohne baurechtliche Voranmeldung und ohne Genehmigung der Wohnungseigentümerversammlung errichtet worden.

Der Fall wird vor dem Tribunal de grande instance von Perpignan verhandelt, das Herrn Y Recht gibt: Es ordnet die Beseitigung des Fensters an und verurteilt Herrn X zu Schadensersatz. Herr X legt Berufung ein. Das Berufungsgericht von Montpellier hebt das Urteil auf: Es befindet, dass Herr Y keine anormale Nachbarschaftsstörung nachgewiesen habe und dass die Grunddienstbarkeit des Ausblicks jedenfalls durch dreißigjährige Ersitzung erworben worden sei. Herr Y legt Kassation ein.

Vor dem Kassationshof argumentiert Herr Y, dass das Fehlen einer baurechtlichen Genehmigung und einer Genehmigung der Wohnungseigentümerversammlung das Fenster rechtswidrig mache und ein rechtswidriger Besitz nicht ersitzen könne. Der Hof weist seine Beschwerde zurück. Er stellt klar, dass die Ersitzung (Eigentumserwerb durch langjährige Nutzung) auch dann greifen kann, wenn die Sache unter Verstoß gegen Bau- oder Wohnungseigentumsvorschriften erworben oder errichtet wurde. Entscheidend ist allein der ununterbrochene, friedliche, öffentliche, unzweideutige Besitz über dreißig Jahre.

Die Begründung des Gerichts — im Detail

Um die Entscheidung zu verstehen, muss man zu den Grundlagen zurückkehren. Die Grunddienstbarkeit des Ausblicks ist eine Belastung eines Grundstücks (des dienenden Grundstücks) zugunsten eines anderen Grundstücks (des herrschenden Grundstücks). Sie erlaubt dem Eigentümer des herrschenden Grundstücks einen Ausblick auf das dienende Grundstück. Grundsätzlich kann eine Dienstbarkeit nur durch Titel (notarielle Urkunde) oder durch dreißigjährige Ersitzung begründet werden. Die Ersitzung setzt einen ununterbrochenen, friedlichen, öffentlichen, unzweideutigen Besitz als Eigentümer voraus.

Die Frage war: Kann ein Besitz, der mit einem Verstoß gegen Bauvorschriften oder die Wohnungseigentumsordnung beginnt, als „friedlich“ angesehen werden? Der Kassationshof bejaht dies. Er stützt sich auf Artikel 544 des Code civil (Eigentumsrecht) und auf den Grundsatz, dass niemand einem anderen eine Störung zufügen darf, die über die normalen Unannehmlichkeiten der Nachbarschaft hinausgeht. Hier bestand das Fenster seit dreißig Jahren, ohne dass Herr Y jemals protestiert hätte. Die Störung war daher nicht gegeben.

Der Kassationshof bestätigt eine ständige Rechtsprechung: Die verwaltungsrechtliche oder vertragliche Rechtswidrigkeit hindert die Ersitzung nicht. Das ist logisch: Die Ersitzung dient der Sicherung alter tatsächlicher Zustände. Sonst könnte man jahrzehntealte Bauten mit der Begründung anfechten, sie hätten die damalige Baugenehmigung nicht eingehalten. Die Tatsachenrichter haben souverän beurteilt, dass der Besitz friedlich war, da Herr Y dreißig Jahre lang nicht tätig geworden war.

Der Hof stellt jedoch klar, dass die Ersitzung nicht greift, wenn der Besitz unzweideutig ist (z.B. wenn der Ausblick nur vorläufig geduldet wurde). Im vorliegenden Fall war das Fenster jedoch offen und für alle sichtbar, ohne Zweideutigkeit.

Was das für Sie konkret bedeutet

Für Vermieter: Wenn Ihr Mieter sich über einen Ausblick vom Nachbargrundstück beschwert, wissen Sie, dass die bloße Tatsache, dass das Fenster ohne Genehmigung gebrochen wurde, nicht ausreicht, um dessen Beseitigung zu verlangen. Es muss eine aktuelle Störung nachgewiesen werden oder dass die Ersitzung nicht eingetreten ist. In Perpignan, wo der Immobilienmarkt angespannt ist, kann ein Fenster mit Ausblick den Mietwert um 10 bis 15 % steigern.

Für Wohnungseigentümer: Wenn ein Nachbar ein Fenster ohne Genehmigung der Wohnungseigentümerversammlung bricht, müssen Sie schnell handeln. Die Ersitzungsfrist läuft ab Fertigstellung der Arbeiten. Warten Sie zu lange (dreißig Jahre), verlieren Sie jedes Rechtsmittel. Handeln Sie innerhalb von dreißig Jahren, können Sie die Beseitigung des Fensters wegen Verstoßes gegen die Wohnungseigentumsordnung verlangen.

Questions fréquentes

Puis-je acquérir une servitude de vue sans titre ?

Oui, si vous avez une vue continue, paisible, publique et non équivoque pendant trente ans. L'absence d'autorisation d'urbanisme ou de copropriété n'empêche pas la prescription.

Que faire si mon voisin perce une fenêtre sans autorisation ?

Agissez rapidement : envoyez une lettre recommandée pour marquer votre opposition, faites constater par un commissaire de justice, et consultez un avocat. Si vous attendez plus de trente ans, vous perdrez tout recours.

Quels sont les délais pour agir contre une vue illicite ?

Vous avez trente ans à compter de l'achèvement des travaux pour demander la suppression de la vue sur le fondement de la prescription. Mais si la fenêtre est récente, agissez dans les cinq ans pour éviter des difficultés de preuve.

Une fenêtre sans déclaration préalable est-elle forcément illégale ?

Oui, au regard du droit de l'urbanisme. Mais cela n'affecte pas la prescription acquisitive. Le voisin peut demander la suppression sur le fondement du trouble anormal de voisinage, mais pas sur la seule absence de déclaration.

Puis-je interdire à mon voisin de percer une fenêtre ?

Oui, si cela crée un trouble anormal de voisinage ou viole le règlement de copropriété. Mais si la fenêtre a plus de trente ans, la servitude est acquise et vous ne pouvez plus l'interdire.

Informations juridiques

  • Numéro: 21-12.240
  • Juridiction: Cour de cassation
  • Date de décision: 21 avril 2022

Mots-clés

servitude de vueprescription acquisitivecopropriététrouble anormal de voisinagedroit immobilier

Cas d'usage pratiques

1

Propriétaire à Le Barcarès subissant une vue nouvelle

M. Dupont, propriétaire d'une villa au Barcarès, constate que son voisin a percé une fenêtre donnant sur sa piscine en 2020. Il n'a jamais donné son accord. La fenêtre est visible depuis le domaine public.

Application pratique:

M. Dupont doit agir avant 2050. Il peut envoyer une lettre recommandée pour interrompre la prescription, puis assigner son voisin en référé pour obtenir la suppression de la vue sur le fondement du trouble anormal de voisinage. Il devra prouver que la vue porte atteinte à son intimité.

2

Acquéreur d'un appartement avec vue à Perpignan

Mme Martin achète un appartement à Perpignan avec une fenêtre offrant une vue sur le jardin voisin. La fenêtre a été percée en 1985 sans autorisation de copropriété. Le vendeur ne fournit aucun titre.

Application pratique:

Mme Martin est protégée : la vue existe depuis plus de trente ans, la servitude est acquise par prescription. Aucun risque de suppression. Elle doit néanmoins vérifier que la possession était paisible (pas de lettre d'opposition du voisin).

3

Copropriétaire souhaitant percer une fenêtre

M. Leroy, copropriétaire à Perpignan, veut percer une fenêtre dans le mur de sa cuisine pour améliorer la luminosité. Le règlement de copropriété exige l'accord de l'assemblée générale pour toute modification de façade.

Application pratique:

M. Leroy doit d'abord obtenir l'autorisation de l'assemblée générale des copropriétaires (majorité simple ou absolue selon le règlement). Il doit aussi déposer une déclaration préalable en mairie. Sans ces autorisations, la fenêtre pourra être supprimée à tout moment avant la prescription trentenaire.

CZ

À propos de l'auteur

Maître Cécile Zakine — Avocate au Barreau des Alpes-Maritimes, Docteur en Droit, spécialisée en droit immobilier et foncier. Chaque article de ce magazine est rédigé à partir de l'analyse d'une décision de jurisprudence réelle, commentée et mise en perspective par Maître Zakine.

Voir le cabinet →

Avertissement: Les analyses présentées sur ce site sont fournies à titre informatif uniquement et ne constituent pas des conseils juridiques personnalisés. Pour une consultation adaptée à votre situation, contactez un avocat.

Rechtsanwältin Maître Zakine, Doktor der Rechtswissenschaften

Beratung per Telefon und Videokonferenz — Schnelle Terminvergabe

Termin vereinbaren
1. Beratung 30 Minuten - 45€