Entscheidungsreferenz: cc • N° 23-14.806 • 2024-10-02
Sie sind seit mehreren Monaten krankgeschrieben, und Ihr Arbeitgeber teilt Ihnen mit, dass Sie keinen bezahlten Urlaub erworben haben, weil Sie nicht gearbeitet haben. In Guebwiller hat eine Arbeitnehmerin in dieser Situation die Justiz angerufen. Der Kassationshof hat ihr nun Recht gegeben, in einer Entscheidung, die die Lage für alle französischen Arbeitnehmer ändert. Erklärungen.
Der Sachverhalt: eine Geschichte, wie sie täglich vorkommt
Frau D., medizinische Sekretärin in Altkirch, erleidet eine nicht berufsbedingte Krankheit, die sie über ein Jahr von ihrem Arbeitsplatz fernhält. Als sie die Arbeit wieder aufnimmt, verweigert ihr Arbeitgeber ihr den bezahlten Urlaub für diesen Abwesenheitszeitraum. Er stützt sich auf Artikel L. 3141-3 des Arbeitsgesetzbuchs, der den Urlaubserwerb an eine tatsächliche Arbeitsleistung knüpft. Frau D. widerspricht: Sie ist der Ansicht, dass das europäische Recht ihr auch während der Krankheit Urlaub gewährt. Der Rechtsstreit gelangt bis zum Kassationshof, nachdem er den Conseil de prud'hommes von Mulhouse durchlaufen hat.
Die Argumentation des Gerichts – aufgeschlüsselt
Der Kassationshof wendet die europäische Richtlinie 2003/88/EG über die Arbeitszeit an. Diese bestimmt, dass jeder Arbeitnehmer Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub von mindestens vier Wochen hat, unabhängig davon, ob er während des Bezugszeitraums gearbeitet hat oder nicht. Der Gerichtshof stellt klar, dass die Richtlinie keinen Unterschied zwischen anwesenden Arbeitnehmern und solchen im Krankheitsurlaub macht. Er setzt daher teilweise Artikel L. 3141-3 des Arbeitsgesetzbuchs (der den Urlaubserwerb an eine tatsächliche Arbeitsleistung knüpft) und Artikel L. 3141-5 (der den Zeitraum eines Arbeitsunfalls, der als tatsächliche Arbeitsleistung gilt, auf ein Jahr begrenzte) außer Kraft. Folglich erwirbt der Arbeitnehmer im Krankheitsurlaub bezahlten Urlaub ohne zeitliche Begrenzung bei Berufskrankheiten und auch bei nicht berufsbedingten Krankheiten, ohne dass eine tatsächliche Arbeitsleistung erforderlich ist.
Was das für Sie konkret ändert
Wenn Sie als Arbeitnehmer seit mehr als einem Jahr krankgeschrieben sind (auch nicht berufsbedingt), haben Sie Anspruch auf bezahlten Urlaub für diesen Zeitraum. Beispielsweise kann ein Arbeiter in Altkirch, der seit 18 Monaten krankgeschrieben ist, 18 zusätzliche Werktage Urlaub beanspruchen. Wenn Sie Arbeitgeber sind, müssen Sie diese Ansprüche zurückstellen und bei Wiederaufnahme der Arbeit gewähren. Achtung: Die Urlaubsansammlung darf 15 Monate nicht überschreiten (gemäß der europäischen Rechtsprechung KHS). Überprüfen Sie in der Praxis Ihren Urlaubssaldo bei Ihrer Rückkehr.
Vier Tipps, um solche Streitigkeiten zu vermeiden
- Für Arbeitnehmer: Bewahren Sie alle Ihre Krankmeldungen auf und fordern Sie Ihren Arbeitgeber schriftlich zur Mitteilung Ihres Urlaubssaldos bei Ihrer Rückkehr auf.
- Für Arbeitgeber: Führen Sie auch während der Krankheitszeiten einen Urlaubszähler und informieren Sie den Arbeitnehmer über seine erworbenen Ansprüche.
- Für beide: Ziehen Sie im Zweifel vor der Rückkehr einen auf Arbeitsrecht spezialisierten Anwalt hinzu.
- Für Lohnbuchhalter: Aktualisieren Sie Ihre Software, um Urlaub während Krankheitszeiten automatisch zu integrieren.
Vertiefung: einschlägige Rechtsprechung und Entwicklungen
Diese Entscheidung fügt sich in die Nachfolge des Urteils des EuGH vom 22. November 2011 (KHS) ein, das bereits eine Grenze von 15 Monaten für die Urlaubsansammlung festgelegt hatte. Der Kassationshof hatte sich bisher widersetzt, aber das Gesetz vom 22. April 2024 hat den Weg geebnet. Nun ist das französische Recht mit dem europäischen Recht konform. Weitere Entscheidungen werden zweifellos die Berechnungsmodalitäten und das Schicksal des während der Krankheit nicht genommenen Urlaubs präzisieren.
Was Sie unbedingt behalten sollten
FAQ:
- F: Erwirbt ein Arbeitnehmer im nicht berufsbedingten Krankheitsurlaub bezahlten Urlaub? A: Ja, seit dieser Entscheidung, ohne Bedingung einer tatsächlichen Arbeitsleistung.
- F: Gibt es eine zeitliche Begrenzung? A: Ja, die Ansammlung darf 15 Monate Urlaub nicht überschreiten.
- F: Was tun, wenn mein Arbeitgeber sich weigert, diesen Urlaub zu gewähren? A: Den Conseil de prud'hommes innerhalb von 3 Jahren nach der Rückkehr anrufen.
- F: Gilt diese Regelung auch für Arbeitsunfälle? A: Ja, ohne die bisherige Ein-Jahres-Begrenzung.
- F: Kann ich meinen nicht genommenen Urlaub nach der Krankheit übertragen? A: Ja, innerhalb der Grenze von 15 Monaten angesammeltem Urlaub.
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📌 Dieser Artikel betrifft Sie? Maître Cécile Zakine, Rechtsanwältin für Immobilien- und Grundstücksrecht, Doktorin der Rechte, ist in ganz Frankreich tätig.
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