Entscheidungsreferenz: cc • N° 07-19.916 • 2009-01-21 • Entscheidung einsehen →
Stellen Sie sich vor: Sie sind Eigentümer einer Wohnung in Lourdes, die an ein Paar vermietet ist, das seit sechs Monaten keine Miete mehr zahlt. Genervt beschließen Sie, den Strom abzustellen, um sie zum Auszug zu bewegen. Aber zum Zeitpunkt Ihrer Handlung haben Sie noch keinen vollstreckbaren Titel (ein Urteil, das die Räumung erlaubt). Später erhalten Sie diesen Titel. Können Sie trotzdem räumen? Die Antwort ist nein, wenn Ihre Handlung betrügerisch war. Aber Vorsicht: Die Sanktion des Betrugs kann nur ein Recht betreffen, das zum Zeitpunkt der betrügerischen Handlung bereits bestand. Daran erinnerte der Kassationshof in einem Urteil vom 21. Januar 2009 (Nr. 07-19.916).
Diese Entscheidung ist entscheidend für alle Vermieter, Mieter und Immobilienfachleute. Sie setzt der berühmten Maxime „Betrug verdirbt alles“ eine Grenze. Klar gesagt: Wenn Sie einen Betrug begehen, um einen Mieter zu räumen, können Sie nicht eines Rechts beraubt werden, das Sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht hatten. Aber wie wird diese Regel konkret angewendet? Und vor allem, was ist zu tun, um eine solche Falle zu vermeiden?
In diesem Artikel werde ich Ihnen die Geschichte hinter diesem Urteil erzählen, die Argumentation der Richter analysieren und Ihnen praktische Ratschläge geben, um eine ähnliche Situation zu vermeiden. Ob Sie Eigentümer in Anglet oder Mieter in Pau sind, diese Regeln betreffen Sie.
Der Sachverhalt: eine Geschichte, wie sie jeden Tag vorkommt
Herr X ist Eigentümer eines Geschäftsgebäudes in Lourdes, das an die Gesellschaft Y vermietet ist. Diese Gesellschaft hat finanzielle Schwierigkeiten und stellt die Mietzahlungen ein. Der Vermieter leitet ein Verfahren ein, um die Kündigung des Mietvertrags (Beendigung des Vertrags) und die Räumung des Mieters zu erreichen. Parallel dazu führt er jedoch betrügerische Handlungen durch: Er schaltet den Strom ab, wechselt die Schlösser, kurz, er versucht, den Mieter auf eigene Faust zu vertreiben, ohne das Urteil abzuwarten.
Die Gesellschaft Y wird in gerichtliche Liquidation (Insolvenzverfahren zur Befriedigung der Gläubiger) versetzt. Der Liquidator (Vertreter der Gläubiger) beantragt daraufhin die Räumung des Mieters und die Zahlung einer Nutzungsentschädigung (für die rechtslose Nutzung). Aber dem Vermieter, der den Betrug begangen hat, wird die Regel „Betrug verdirbt alles“ entgegengehalten: Er kann sich nicht auf die Auflösungsklausel (Vertragsklausel, die den Mietvertrag bei Nichtzahlung automatisch beendet) berufen und kann daher keine Räumung verlangen.
Das Berufungsgericht in Pau weist die Anträge des Vermieters ab. Dieser legt Kassation ein. Er argumentiert, dass die Sanktion des Betrugs ihn nicht eines Rechts berauben könne, das er zum Zeitpunkt des Betrugs noch nicht hatte. Zum Zeitpunkt der Stromabschaltung war der Mietvertrag nämlich noch nicht gekündigt: Er hatte noch das Recht, zu vermieten. Der Betrug könne ihn daher nicht seines Rechts berauben, die Kündigung und Räumung zu verlangen, da dieses Recht noch nicht bestand.
Der Kassationshof gibt ihm recht: Er hebt (annulliert) das Urteil des Berufungsgerichts auf und verweist die Sache an ein anderes Gericht zurück. Er erinnert daran, dass „die Sanktion des Betrugs nur ein Recht betreffen kann, das zum Zeitpunkt der betrügerischen Handlung bestand“. Mit anderen Worten: Man kann nicht eines Rechts beraubt werden, das man noch nicht hatte.
Die Argumentation des Gerichts – analysiert
Die Argumentation der Tatsachenrichter (Berufungsgericht) war wie folgt: Da der Vermieter einen Betrug begangen hat, um den Mieter zu räumen, handelt er bösgläubig und kann sich nicht auf die Auflösungsklausel berufen. Folglich kann er keine Räumung erwirken. Dies ist die strenge Anwendung der Maxime „Betrug verdirbt alles“, ein allgemeiner Rechtsgrundsatz (ungeschrieben, aber anerkannt), der den Betrüger daran hindert, aus seinem Betrug Nutzen zu ziehen.
Der Kassationshof (das höchste französische Gericht) korrigiert diese Argumentation jedoch. Er stützt sich auf Artikel 1240 des Code civil (ehemals Artikel 1382), der besagt: „Jede Handlung eines Menschen, die einem anderen einen Schaden zufügt, verpflichtet denjenigen, durch dessen Verschulden er eingetreten ist, zum Ersatz.“ Der Betrug ist ein Verschulden. Die Sanktion muss verhältnismäßig sein und darf nicht über das Notwendige hinausgehen.
Im vorliegenden Fall war der Vermieter zum Zeitpunkt des Betrugs (Stromabschaltung usw.) noch Eigentümer und der Mietvertrag bestand noch. Er hatte daher das Recht, sein Eigentum zu nutzen, jedoch innerhalb der Grenzen des Mietvertrags. Der Betrug hat das Recht des Mieters auf ungestörte Nutzung der Räume beeinträchtigt. Die Sanktion dieses Betrugs kann den Vermieter nicht eines Rechts berauben, das er noch nicht hatte: das Recht, die Kündigung des Mietvertrags und die Räumung zu verlangen, das erst ab dem Zeitpunkt entstand, zu dem der Richter die Kündigung feststellt oder die Auflösungsklausel wirksam wird.
Vorsicht jedoch: Dies bedeutet nicht, dass der Vermieter ohne Konsequenzen betrügen kann. Er muss den dem Mieter entstandenen Schaden ersetzen (z. B. die Kosten einer vorübergehenden Unterbringung). Aber

