Entscheidungsreferenz: cc • Nr. 23-19.702 • 2025-04-10 • Entscheidung einsehen →
Stellen Sie sich vor: Sie wohnen in Pont-Saint-Esprit, rue du Château. Ihr Nachbar installiert eine Überwachungskamera an seinem Vordach, gerichtet auf Ihre Einfahrt. Jedes Mal, wenn Sie nach Hause kommen, haben Sie das Gefühl, beobachtet zu werden. Was tun? Ist das legal?
Die Frage spaltet oft Nachbarn: auf der einen Seite das Recht, sein Eigentum zu schützen; auf der anderen Seite die Achtung der Privatsphäre. Der Kassationsgerichtshof hat in einem Urteil vom 10. April 2025 (Nr. 23-19.702) nun klar entschieden: Das Filmen des Weges des Nachbarn, auch nur teilweise, stellt eine offensichtlich rechtswidrige Störung dar (eine offensichtliche und unmittelbare Störung, die der Richter im Eilverfahren beseitigen lassen kann).
Diese Entscheidung betrifft alle Eigentümer, Mieter und Wohnungseigentümer, die eine Kamera installieren möchten oder mit der des Nachbarn konfrontiert sind. Hier ist, was Sie wissen müssen, mit konkreten Beispielen aus Bagnols-sur-Cèze und anderswo.
Der Sachverhalt: eine alltägliche Geschichte
Herr D. ist Eigentümer eines Grundstücks in Tahiti (Flurstück AI Nr. 2), das an einen Weg angrenzt (Flurstück AI Nr. 1). Dieser Weg gehört Miteigentümern, darunter Frau B. V. und die Herren X. M. D. installiert Überwachungskameras auf dem Dach, die den Weg überblicken. Die Miteigentümer fordern ihn auf, sie zu entfernen. Herr D. weigert sich und meint, er habe das Recht, sein eigenes Grundstück zu überwachen.
Der Rechtsstreit beginnt. Die Miteigentümer beantragen beim Gericht, die ihrer Ansicht nach offensichtlich rechtswidrige Störung zu beseitigen. In erster Instanz ordnet der Eilrichter die Entfernung der Kameras an. Herr D. legt Berufung ein. Das Berufungsgericht Papeete bestätigt am 22. Juni 2023 die Entscheidung: Die Kameras müssen entfernt werden, da sie den Weg filmen, der nicht im Eigentum von Herrn D. steht.
Herr D. legt daraufhin Kassation ein (er beantragt beim Kassationsgerichtshof die Aufhebung des Urteils). Er argumentiert, die Kameras seien auf sein Grundstück gerichtet und der Weg werde nur beiläufig erfasst. Der Kassationsgerichtshof weist seine Beschwerde jedoch zurück: Es spiele keine Rolle, dass der Weg nur teilweise gefilmt werde; sobald Personen, die diesen Weg benutzen, gefilmt werden könnten, liege eine Störung vor.
Die Begründung des Gerichts – aufgeschlüsselt
Zum Verständnis muss man sich die Texte ansehen. Der Kassationsgerichtshof stützt sich auf Artikel 1240 des Code civil (außervertragliche Haftung: jede Handlung eines Menschen, die einem anderen einen Schaden zufügt, verpflichtet denjenigen, durch dessen Verschulden er eingetreten ist, zum Ersatz). Bei Nachbarschaftsstörungen ermöglicht diese Vorschrift dem Eilrichter, die Beseitigung einer offensichtlich rechtswidrigen Störung anzuordnen (Artikel 835 der Zivilprozessordnung).
Was aber ist eine offensichtlich rechtswidrige Störung? Es ist ein offensichtlicher Verstoß gegen eine Rechtsnorm. Hier verletzt das Filmen von Personen auf dem Weg eines anderen deren Privatsphäre (Artikel 9 des Code civil: Jeder hat das Recht auf Achtung seiner Privatsphäre). Selbst wenn der Kameraeigentümer die Bilder nicht verbreitet, ist allein das Erfassen von Bildern von Personen, die sich auf einem Nachbargrundstück bewegen, rechtswidrig.
Die Richter wiesen das Argument von Herrn D. zurück, der Weg werde nur marginal gefilmt. Es komme nicht auf das Ausmaß an: Wenn eine Kamera Personen auf einem Nachbargrundstück filmen könne, liege eine Störung vor. Entscheidend sei die Möglichkeit der Betrachtung, nicht die Absicht des Eigentümers.
Diese Entscheidung steht im Einklang mit einer ständigen Rechtsprechungstendenz: Der Schutz der Privatsphäre geht dem Eigentumsrecht vor, wenn dieses übermäßig ausgeübt wird. Der Kassationsgerichtshof schafft kein neues Recht, sondern bestätigt und stellt klar: Eine Kamera darf nur das Grundstück ihres Eigentümers filmen, streng begrenzt.
Was das für Sie konkret ändert
Für Eigentümer: Wenn Sie bei sich zu Hause eine Kamera installieren, überprüfen Sie, ob sie nicht den öffentlichen Raum (Straße, Gehweg) oder Nachbargrundstücke filmt. Selbst ein Weitwinkel kann problematisch sein. In Bagnols-sur-Cèze musste ein Hauseigentümer in der rue de la République seine Kamera versetzen, weil sie die Einfahrt der Garage des Nachbarn filmte. Kosten des Eingriffs: 150 €, zuzüglich Anwaltskosten (1.500 bis 3.000 € im Falle eines Prozesses).
Für Mieter: Sie können von Ihrem Vermieter verlangen, dass er jede Kamera entfernt, die Ihre Fenster oder Ihren Garten filmt. Wenn Sie ohne Einwilligung gefilmt werden, können Sie Strafanzeige wegen Verletzung der Privatsphäre erstatten (Artikel 226-1 des Code pénal: bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe und 45.000 € Geldstrafe).
Für Wohnungseigentümer: Gemeinschaftsflächen (Eingangshalle, Parkplatz) dürfen ohne Zustimmung der Eigentümerversammlung nicht gefilmt werden. Eine Kamera, die auf den Hauseingang gerichtet ist, muss angezeigt werden und darf die Bewegungen der Bewohner nicht dauerhaft aufzeichnen.

